
Leistungsbilanzanalysen
2002:
Mehr Transparenz bei Schiffsfonds
Zur
Bewertung der Erfolge geschlossener Fonds greifen Medien und Unternehmen
gern auf Ratings zurück. Diese indes sind wenig sinnvoll.
Nur vergleichende Leistungsbilanzanalysen bringen Licht ins Dunkel
und machen die nachhaltigen Erfolge von Emissionshäusern
transparent.
Emissionshäuser
erstellen ihre Leistungsbilanzen in der Form, die für ihre
Selbstdarstellung am vorteilhaftesten ist, denn bis heute existiert
kein einheitlicher Standard für die Fertigung von Leistungsbilanzen.
Deshalb ist ein Vergleich verschiedener Bilanzen nur sehr schwer
zu bewerkstelligen - aber dennoch möglich:
In
der Leistungsbilanzanalyse werden die Angaben der Leistungsbilanzen
verschiedener Schiffsfonds-Initiatoren jetzt zum ersten Mal so
aufbereitet, dass ein Vergleich machbar ist - ein wichtiger Schritt
in Richtung Transparenz für Anleger, die in Schiffsfonds
investieren, denn nur so lässt sich der wirkliche Erfolg
von Emissionshäusern in den vergangenen Jahren beurteilen.
Die
Zahlenwerte der Analyse geben Auskunft über die Abweichungen
der prospektierten (Plan-)Werte von Schiffsbeteiligungen von den
tatsächlich erzielten (Ist-)Werten. Als Vergleichszeitraum
wurde die Zeitspanne von 1992 bis 31.12.2000 gewählt, weil
innerhalb dieser Zeit auch jüngere große Emissionshäuser
gegründet wurden. Das Zahlenwerk wird künftig kontinuierlich
weiter entwickelt.
Erschreckend
ist, dass lediglich 13 Emissionshäuser Leistungsbilanzen
in einer verwertbaren Form herausgegeben haben. Einige Emissionshäuser
haben Leistungsbilanzen vorgelegt, die für eine wie auch
immer geartete Auswertung kaum brauchbar waren - und wieder andere
haben bisher überhaupt keine Leistungsbilanzen erstellt!
Zur
Leistungsbilanzanalyse
Einleitung
Auf
den folgenden Seiten haben wir die Beurteilungskriterien der Analyse
dargestellt. Bitte lesen Sie zum besseren Verständnis der
Analyse diese Seiten - sonst besteht die Gefahr von Fehlinterpretationen
des Zahlenwerks.
Achtung:
Zur
Leistungsbilanzanalyse kommen Sie nur durch die Beantwortung der
Frage am Ende dieser Seiten! Wir bitten um Ihr Verständnis!
Analysierte Emissionshäuser:
1. Atlantic
Gesellschaft zur Vermittlung int. Investitionen mbH & Co.KG,
Hamburg
2. CONTI REEDEREI Management GmbH & Co. Konzeptions KG, Putzbrunn
3. Dr. Peters GmbH & Co.KG, Dortmund
4. GEBAB Konzeptions- und Treuhandgesellschaft mbH & Co.KG,
Meerbusch
5. GHF Gesellschaft für Handel und Finanz mbH, Leer
6. Hamburgische Seehandlung Gesellschaft für Schiffsbeteiligungen
mbH, Hamburg
7. HANSA TREUHAND SCHIFFSBETEILGUNGS AG & CO. , Hamburg
8. HCI Hanseatische Capitalberatungsgesellschaft für Beteiligungscapital
mbH, Jork
9. KÖNIG & CIE. GMBH & CO.KG, Hamburg
10. Lloydfonds AG, Hamburg
11. MPC Capitalvermittlung AG, Hamburg
12. Nordcapital Gesellschaft für Unternehmensbeteiligungen
mbH & Cie.KG,Hamburg
13. Norddeutsche Vermögensanlage GmbH & Co.KG, Hamburg
Beurteilungskriterien
Folgende Beurteilungskriterien
haben wir für die Analyse ausgewählt:
| Eigenkapital |
Planwerte
lt. Prospekt |
Ist-Werte |
| Fremdkapital |
Planwerte
lt. Prospekt |
Ist-Werte |
| Ausschüttungen |
Planwerte
lt. Prospekt |
Ist-Werte |
| Hypothekenstände |
Planwerte
lt. Prospekt |
Ist-Werte |
Diese
Beurteilungskriterien sind für jedes Emissionshaus in tabellarischer
Form aufbereitet worden. Auf der rechten Seite der Tabelle finden
Sie außerdem die Kapitalbindung in Prozent und die Bewertung.
Bewertet
wurden jeweils die Abweichungen der Ist- von den Plan-Werten.
Abweichungen zugunsten der Anleger haben einen Pluspunkt erhalten.
Soweit die prospektierten Werte mit den Ist-Werten übereinstimmen
wurde dies neutral mit Null bewertet. Abweichungen zuungunsten
der Anleger wurden mit einem Minuszeichen bewertet.
Beurteilungskriterien
im Einzelnen
Eigenkapital
- Fremdkapital
Überschreitungen
der prospektierten Werte in den Bereichen Eigenkapital und Fremdkapital
bis zu einer Größenordnung von 3% der prospektierten
Werte blieben unberücksichtigt. Abweichungen, die diese Grenze
nach oben überschritten haben, wurden entsprechend bewertet.
Generell wären die Emissionshäuser besser beraten, wenn
sie die Werte für das Fremdkapital nur in der Währung
ausweisen, in der es auch aufgenommen wurde. Eine Umrechnung auf
DM oder Euro kann hier durch Devisenkursschwankungen zu großen
rechnerischen Abweichungen führen, die sich dann in der Analyse
negativ auswirken. Wir haben konsequent die in den Leistungsbilanzen
ausgewiesenen Beträge in DM / EURO zugrunde gelegt - mit
den entsprechenden Folgen!
Mehreinwerbung von Eigenkapital
Bei
der Einwerbung des Kommanditkapitals gehen die verschiedenen Emissionshäuser
unterschiedlich vor. Während einige Initiatoren nur mit dem
prospektierten Kommanditkapital arbeiten, halten andere sich die
Option offen, innerhalb einer vertraglich festgelegten Quote die
Mehreinwerbung von Kommanditkapital zu betreiben. Man nennt
diesen Vorgang Dilution (Verwässerung).
Die
Ausnutzung dieser Option führt dazu, dass die Anleger schlechter
gestellt sind als bei Verzicht auf Dilution. Die Quote negativer Ergebnisse
sinkt genauso wie die Quote späterer Gewinnzuweisungen. Die
Prospektkalkulationen gehen üblicherweise von Modellrechnungen
aus, die die Summen der Dilution nicht beinhalten.
Überzeichungsbeträge
werden üblicherweise in die Liquiditätsreserve eingestellt.
Entscheidend für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer
Überzeichnung ist deren spätere Verwendung. Werden Dilutionsbeträge
für die ersten Ausschüttungen oder Tilgungen verwendet,
weil sonst etwa kein Ergebnis erzielt wurde, ist das nachhaltig
ungünstig für die Anleger. Leider verfahren Emissionshäuser
immer wieder auf diese Weise, damit ein Beteiligungsangebot in
der Anfangsphase attraktiver wirkt und der Anleger in Sicherheit
gewogen wird. Das böse Erwachen folgt jedoch unweigerlich!
Ist
eine Gesellschaft indes in der Lage, bei planmäßigem
wirtschaftlichen Verlauf der Beteiligung die Überzeichnungen
zusätzlich zu den erwirtschafteten Ausschüttungen/Tilgungen
für Sonderausschüttungen/-tilgungen einzusetzen, war
die Überzeichnung sinnvoll!
Sicherlich
ist die Wahl eines geeigneten Beurteilungsmaßstabes in diesen
Fällen schwierig, zumal sieben Emissionshäuser auf vertraglich
festgelegte Überzeichnungen verzichten. Aus diesem Grund
werden einige Emissionshäuser an dieser Stelle schlechter
beurteilt. Bei genauer Beschäftigung mit den Werten aus der
Tabelle wird sichtbar, wo Überzeichnungen für "Schönmalerei"
missbraucht wurden und wo nicht!
Ausschüttungen
Ausschüttungen
sind für den Anleger das Leistungskriterium schlechthin,
spiegeln sie doch den Erfolg der Beteiligung und des Emissionshauses
am deutlichsten wieder. Soweit in den Leistungsbilanzen Zahlenangaben
in Form von Beträgen vorhanden waren, haben wir diese übernommen.
Prozentangaben haben wir in absolute Beträge umgerechnet.
Dabei ist als Grundlage das vorhandene Kommanditkapital ohne Agio
zu Grunde gelegt worden. Soweit stille Beteiligungen im Eigenkapital
enthalten waren, haben wir diese Beträge nicht berücksichtigt.
Hypothekenstände
Auch
dieses Beurteilungskriterium zeigt die Qualität der Arbeit
eines Emissionshauses beziehungsweise der beteiligten Partner,
weil der Erfolg direkt darstellbar ist. Devisenkursschwankungen
können allerdings zu Verzerrungen führen. Dies liegt
daran, dass der Dollar die Hauptwährung der Schifffahrt ist.
Die Bilanzierungswährung jedoch ist der EURO, der die Deutsche
Mark abgelöst hat. So kommt es bisweilen zu Abweichungen.
Auf eine besondere Kenntlichmachung solcher Situationen haben
wir verzichtet, da diese den Rahmen sprengen würde. Deswegen
haben wir die Werte aus den Leistungsbilanzen übernommen
und beurteilen nur die Abweichungen Plan - Ist. Sondertilgungsvorsprüngen
kommt hier eine besondere Bedeutung zu, weil die Beträge
für Sondertilgungen ebenso gut als Ausschüttungen an
die Anleger fließen könnten. Oft jedoch wird im Interesse
einer noch besseren wirtschaftlichen Entwicklung der Beteiligung
die Sondertilgung genutzt.
Kapitalbindung
Die
Kapitalbindung errechnet sich aus dem eingezahlten Kapital inklusive
Agio, jedoch abzüglich Steuererstattungen und Ausschüttungen.
Soweit Einlagen auf das Kommanditkapital bei Schiffen der letzten
beiden Emissionsjahre noch ausstehen, haben wir dies nicht sonderlich
kenntlich gemacht. Deutlich wird dies bei sehr neuen Schiffen
allerdings durch eine sehr geringe Kapitalbindung.
Bewertung
Jedes einzelne
Schiffsangebot kann je Bewertungskriterium einen Punkt - also
insgesamt maximal vier Punkte - erreichen. Wir haben die einzelnen
Wertungen ausgezählt und jeweils ins Verhältnis zur
maximal erzielbaren Gesamtpunktzahl gesetzt. Die entsprechenden
Werte finden Sie unter jeder Tabelle beziehungsweise in der zusammengefassten
Auswertung der einzelnen Tabellen.
Wichtiger Hinweis
Diese Leistungsbilanzanalyse
ist nach objektiven Gesichtspunkten erstellt worden. Einige
der jüngeren Emissionshäuser erscheinen (!) dabei besser
als die älteren am Markt befindlichen. Der Grund dafür
ist, dass bei den jüngeren Emissionshäusern die meisten
Schiffe per 31.12.2000 noch in der Erstcharter fahren und daher
von den kritischen Marktschwankungen der Jahre 1997/98 nicht betroffen
waren. In den Analysen für die Jahre 2001 und 2002 wird sich
das Bild ändern, da dann die Trends der jeweiligen Märkte
auch auf die "Erstcharter"-Schiffe der jungen Emissionshäuser
durchschlagen.
Allgemeine Schlußbemerkungen
Wäre
uns am Beginn der Leistungsbilanz-Analyse bewusst gewesen, was
auf uns zukommt, hätten wir uns vielleicht nicht damit befasst.
Nach einigen Monaten Arbeit und der Auswertung von unendlichen
Zahlenreihen wissen wir, weshalb sich noch nie jemand dieser "Sisyphus-Arbeit"
hingegeben hat.
Nun allerdings
ist es zunächst geschafft - und wir freuen uns, interessierten
Lesern, Anlegern und denen, die es werden wollen, ein Hilfsmittel
zur Beurteilung von Erfolg und Arbeitsweise der am Markt befindlichen
Schiffsfonds-Emissionshäuser zur Verfügung stellen zu
können.
Wie
nennt man die Mehreinwerbung von Eigenkapital?
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